Auswertung der ersten Workshopreihe

Zwischen Juni und September 2014 haben wir vier Workshopveranstaltungen, unter dem Titel “Grenzland-Botschaft” an verschiedenen Orten in der Bergischen Region durchgeführt – Solingen, Wülfrath, Wermelskirchen und Hattingen. Die Workshops wurden jeweils von regionalen Kooperationspartner beherbergt und durch das Grenzland-Netzwerkteam moderiert. Formell gliederten sich die Workshops in zwei Schwerpunkte. Nach einer knappen Vorstellung des Grenzlandprojekts und der Möglichkeiten einer computergestützten, dezentralen Zusammenarbeit wurde allen Anwesenden die Gelegenheit gegeben sich mit Hilfe strukturierter Steckbriefe vorszustellen. Anschließend haben wir regional relevante Themen für die Musik- und Jugendkultur sowie Veranstalter und sonstige Akteure auf den und um die Bühnen der Region gesammelt, gemeinsam sortiert und geclustert. Neben diesen konkreten Inhalten boten die Workshops aber auch die Chance informell ins Gespräch zu kommen und gemeinsam Projektideen zu entwickeln.

Bisherige Teilnehmer

CVJM Hattingen | Hattingen
CowClub e.V. | Solingen
Café Hutmacher | Kulturveranstalter clownfisch | Utopiastadt | Wuppertal
Kattwinkelsche Fabrik | Wermelskirchen
UPthehillrecords | Wuppertal
WFLB Wuppertaler Freilichtbühne | Wuppertal
Wuppertaler Kurrende | Wuppertal
Björn Krüger | Grenzland Newcomer | Akademie der integrativen Künste | Wuppertal
Christian Surrey | Akustikschlacht | Solingen/Wuppertal
WüRG e.V. | Wülfrath
Kulturbüro Wülfrath | Wülfrath
weitere nicht institutionell gebundene Musiker/innen

 

Es konnten verschiedene regionale Themen, Bedarfe und Fragestellungen identifiziert werden, die für die Akteure im Grenzland Aktualität und Relevanz besitzen. Diese sind hier nicht ganz trennscharf aufgelistet und geclustert.

Kultur braucht Raum.

Ganz naheliegend als Proberaum für junge Bands. Die Proberauminfrastruktur der Region ist von Stadt zu Stadt stark unterschiedlich. Wo es in Wuppertal scheinbar genügend Proberäume gibt und hier vielleicht eher deren recht hohen Preise ein Problem darstellen, gibt es in Solingen einen akuten Mangel an Proberäumen, der sogar das Fortbestehen bestimmter Musikszenen bedroht.

Der öffentliche Raum ist unter anderem auch Kulturraum, hier spielen die Themen Lärmschutz und die Wahrnehmng der Kulturorte in der Nachbarschaft eine entscheidende, teilweise existentielle Rolle.

Kultur soll als relevanter Teil einer Stadt und der Stadtentwicklung wahrgenommen werden, besonders in den kleinen Kommunen der Region wird der Kultur nur eine marginale Rolle eingeräumt.

Die bergische Marke Wald und Wiesen soll auch als Kulturraum weiter erschlossen werden. Wie sind z.B. Tanzveranstaltungen in den Wäldern der Region möglich ohne mit Polizei und Ordnungsamt aneinander zu geraten?

 

Kultur braucht Kommunikation.

Die Region braucht funktionierende Kommunikationsstrukturen, die über kommunale und kulturelle Grenzen hinaus reichen.

Es besteht der Bedarf einer digitalen Kommunikationsinfrastruktur, die die Informationen aus dem Grenzland bündelt. Veranstaltungen sollen breiter und weiter kommuniziert werden.

Manche Teilnehmer wussten über die Vielfalt der Organisationen und Veranstaltungen in der Region nicht bescheid. Die Ortskenntnis soll erhöht und die Grenzen geweitet werden.

Der effiziente Einsatz von Werbemitteln und die Steigerung der Informationsreichweite ist ein Wunsch der Akteure im Grenzland.

 

Kultur braucht Profis.

Auch erfahrene Akteure stehen bei ihren Veranstaltungen vor offenen Fragen und bearbeitungswürdigen Themen.

Wie werden Eintrittspreise angemessen, wirtschaftlich und attraktiv kalkuliert? Werden teure Veranstaltungen als qualitativ höherwertig wahrgenommen, wie kostenlose oder günstige Veranstaltungen?

Wie ist eine gute Beschallung bei kleinen Singer/Songwriter-Konzerten zu realisieren, die Stimme und Instrument auf hohem Nivaue transportiert? Hier werden besonders in kleineren Locations immer wieder unbefriedigende Lösungen vorgefunden.

Es besteht Bedarf und Interesse an einem Regionalen Bandpool auf den Booker bei der Planung ihrer Veranstaltungen zurückgreifen können. Dieser sollte in die digitale, dezentrale Kommunikationsstruktur eingebunden sein.

Genau wie einen Bandpool könnten viele Akteure der Region auch von einem geteilten Materialpool profitieren. Einige Akteure haben bereits angeboten, ihr Equipment im Rahmen des Grenzland-Netzwerks zur Verfügung zu stellen.

Häufig kam die Frage auf, ob das Angebot einer Live- und Konzertkultur noch an heutige Jugendkultur anschlussfähig ist. Veranstalter bemerken in den letzten zehn Jahren einen deutlichen Besucherrückgang, grade im bei den Jugendlichen. Ist die heutige Jugend stärker an Clubmusik und somit Computermusik interessiert, als an instrumentaler Live-Musik?

Die Räumliche Distanz zwischen Wohnort und Veranstaltungsort zu überbrücken ist für viele, besonders Jugendliche, Besucher ein großes Problem, der öffentliche Nahverkehr ist in weiten Teilen der Region abends zu grobmaschig oder schlicht nicht vorhanden. Das überwinden der Stadtgrenzen ist in den späten Abendstunden ohne PKW kaum möglich. Kann eine Infrastruktur für Mitfahgelegenheiten zu Konzerten und Veranstaltungen in der Region geschaffen werden?

 

Kultur braucht Bands.

Vereinzelt entsteht der Eindruck, dass sich junge Bands und Musiker wenig über die Grenzen ihrer Stadt, aber auch ihrer Szenen hinweg austauschen.

Nicht nur auf der Ebene der Veranstalter und Akteure hinter und um die Bühnen muss eine stärkere Vernetzung geschehen, sondern auch die jungen Musiker selber sollen sich intensiver vernetzen. Hierfür müssten Strukturen geschaffen werden, es besteht eine enge Inhaltliche Verbindung zum Thema “Proberäume” als bedeutende Infrastruktur für Musikszenen.

 

Kultur braucht Ehrenamt.
Ehrenamt braucht Nachwuchs.

Viele der regionalen Organisationen in denen sich Ehrenamtler engagieren leiden unter fehlendem Nachwuchs. Die Mitglieder werden älter und verlieren so den Anschluss an die Jugend. Wichtige Aufgaben und Themen können nicht mehr besetzt werden, weil es an Personen mangelt, die sich engagieren und Verantwortung übernehmen.

 

Wer braucht Netzwerk?

Auch an das Grenzland-Netzwerk werden verschiedene Themen und Anforderungen herangetragen.

Das Grenzland-Netzwerk soll eine (digitale) Struktur zur Zusammenarbeit bieten. Gemeinsam sollen Projekte geplant, finanziert und Durchgeführt werden. Förderanträge sollen in enger Kooperation und Abstimmung innerhalb des Netzwerkes gestellt werden.

Der Musikszene sollen Möglichkeiten zur Professionalisierung geboten werden.

Den Akteuren, besonders aus dem Bereich der Jugendarbeit, ist die Proffesionalisierung der Musikszenen ein besonderes Anliegen, vorallem das Thema “Songwriting” fand wiederholt Erwähnung.

Die Finanzierung von Kulturveranstaltungen und Förderprogrammen für jugendliche Musiker bildete eines der meistdiskutierten Themen auf den Workshops.

Viele der Akteure – selbst langjährige Profis – sind, wenn es um die Beantragung von Fördergeldern geht, unsicher oder wissen nicht von den Möglichkeiten Projekte fördern zu lassen. Es besteht der klare Wunsch nach Qualifizierung.

Selbstausbeutung Kulturschaffender wurde zum Thema gemacht, zum einen soll das Bewusstsein für das hohe Engagement vieler Akteure geschärft werden, zum anderen bedroht der ständige Mangel an Einkünften private Existenzen. Das führt unweigerlich dazu, dass wichtige Akteure ihre Arbeit nicht länger ausführen können.

Gemeinsam wurde herausgearbeitet, dass eine interessante und attraktive Kulturlandschaft in der Breite zwar von öffentlicher Förderung abhängig ist, jedoch dort wo ehrenamtliches Engagement stark ist, auch kreative Lösungen und Konzepte abseits finanziell geförderter Pfade entstehen können.

 

Neue Module

Convention im Sommer 2015

Mehrtägige Convention auf der sich die Akteure der Region präsentieren können und in Workshops gemeinsame Projekte angeschoben werden können. Es sind mehrere Konzerte sind vorgesehen.

Bandcamp Herbst 2015

Die Kattwinkelsche Fabrik wird in den Herbstferien ein Bandcamp durchführen und dabei durch verschiedene Kooperationspartner aus dem Grenzland unterstützt

LapTopKonferenz April 2015

In Kooperation mit dem Ort e.V. wird Utopiastadt eine mehrtägige Veranstaltung rundum Computermusik durchführen

Arbeitstitel: Grenzgang

Die Locationtour im Herbst: Veranstalter aus der Region fahren in gemeinsam mit dem Bus durch die Region und bekommen verschiedene, besondere Veranstaltungsorte präsentiert.

Grenzlandstammtisch

Geplant ist ein regelmäßiges lockeres Austauschforum für die Grenzländer an wechselnden Orten in der Region

AG Medien

Noch in diesem Jahr werden professionelle Video-Bandportraits produziert. Basierend auf diesem Testballon soll die mediale Abbildung der Musikszene im Bergischen Land und die Arbeit des Grenzands im nächsten Jahr verstetigt und ausgeweitet werden.

 

Konklusion

Für das Jahr 2015 lassen sich darüber hinaus verschiedene Herausforderungen für die Arbeit im Grenzland ableiten:

Auf der politischen Ebene könnte das Grenzland eine gemeinsame Strategie zum Umgang mit bestehenden Lärmschutz-Regelungen, aber auch der Erweiterung und Ausdehnung solcher Vorschriften, entwickeln. Es könnte eine Kooperation mit den Verkehrsbetrieben der Region angestrebt werden, um relevante Veranstaltungen im Grenzland an die regionale Mobilität anzuschließen. Offensichtlich besteht Qualifizierungs- bzw. Professionalisierungsbedarf. Es wäre schön Mechanismen zu finden, die es erlauben, dass sich die verschiedenen Akteure auf kolegialer Ebene beraten können.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Teilnehmern und hoffen inständig, dass wir mit Euch im Jahr 2015 weiter daran arbeiten das Bergische Land näher zusammen bringen zu können.